Am 6. November 2018 wurde zum zweiten Mal in der 14-jährigen BTS-Geschichte zum parlamentarischen Abend nach Dresden geladen. Die Besonderheit in diesem Jahr: Die Veranstaltung stellte gleichzeitig die offizielle Auftaktveranstaltung des vom BTS initiierten und vom Freistaat geförderten Innovationsclusters „SET4FUTURE“ dar. Weit mehr als 60 Vertreter aus der sächsischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik folgten der Einladung – darunter auch Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig, der sich über aktuelle Innovationsprojekte informierte und die Branche zu noch mehr Innovationsgeist ermutigte.

Die Megatrends Urbanisierung und Mobilität bergen große Innovations- und Wirtschaftspotenziale – gerade auch für den Freistaat. Daran ließ Wirtschaftsminister Martin Dulig in seiner Eröffnungsrede keinen Zweifel. Gesucht werden sichere, zuverlässige und fahrgastorientierte Mobilitätskonzepte, die Stadt und Land enger zusammenwachsen lassen. Hierbei wird die Zukunft der regionalen Mobilität nicht auf einem Verkehrsträger, sondern in der intelligenten Verzahnung von Straße und Schiene liegen. Verkehrsträgerübergreifende Lösungen sind die Zukunft und die sächsische Forschungs- und Industrielandschaft bringt alles mit, um diese federführend mitzugestalten. Auch hierin ließ Wirtschaftsminister Dulig keinen Zweifel und bestärkte die Branche darin, neue Lösungen mit Selbstbewusstsein und Mut anzugehen.

Fast schon sinnbildlich wurde diese vom Wirtschaftsminister vorgezeichnete Mission durch die offizielle Bescheidübergabe für das neue Innovationscluster SET4FUTURE („Smart and Efficient Train System for Future Rail Mobility”) an den Vorstand des BTS Bahntechnik Sachsen e.V., vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Harald Rüdiger und dem Vorstand Resort Wissenschaft, Prof. Dr.-Ing. Arnd Stephan, sowie dem Geschäftsführer der A.S.T. Angewandte System Technik GmbH, Matthias Boeck, besiegelt. Als Schlüsselpartner des Innovationsclusters war das Dresdner und auf Messtechnik spezialisierte Unternehmen zugleich Mitgastgeber des Abends.

„Mit dem Förderaufruf für die neuen Innovationscluster haben wir ambitionierte Zukunftsvorhaben gesucht, die wissenschaftliche Kompetenzen und unternehmerischen Spürsinn zusammenbringen. Wir wollen Kompetenzen bündeln, die wir in Sachsen haben. Mit Innovationsclustern wie SET4FUTURE erreichen wir mehr Schlagkraft und mehr Schub für die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze von morgen. Mit sächsischen Komponenten und sächsischer Systemkompetenz kann es gelingen, auch mit den bestehenden Fuhrparks und der vorhandenen Infrastruktur effizientere und umweltfreundlichere Mobilität anzubieten.“, bekräftigt Martin Dulig das Clustervorhaben.

Von dem einen oder anderen Projekt, das im Rahmen von SET4FUTURE in den nächsten Jahren bearbeitet werden soll, konnten sich die Gäste noch am selbigen Abend selbst ein Bild machen und mit den Initiatoren persönlich ins Gespräch kommen:

Dieselbrennstoffzelle
Die Firma EBZ Entwicklungs- und Vertriebsgesellschaft Brennstoffzelle mbH, die Teil der A.S.T. Gruppe ist, hat bereits einen ersten Prototypen eines SOFC-Dieselbrennstoffzellensystems entwickelt. Im Gegensatz zum Verbrennungsmotor belastet diese die Umwelt nicht mit Stickoxiden und arbeitet wesentlich effizienter. Gegenüber der PEM-Wasserstoffbrennstoffzelle besteht der Vorteil, dass keine aufwendige Infrastruktur für die Wasserstoffversorgung und -speicherung vorgehalten werden muss und auch der Betrieb wesentlich einfacher ist.  Im Innovationscluster SET4FUTURE soll der Prototyp zum Feldtestmuster weiterentwickelt sowie Pilotanwendungen in der Bahntechnik identifiziert werden. Die nachfolgende Abbildung zeigt den prinzipiellen Aufbau des EBZ – SOFC-Dieselbrennstoffzellensystems.

Richtig GUT durchatmen. GUTE LUFT, GUTES LICHT.
Das von der Photon Meissener Technologies gefertigte, modular aufgebaute Luftentkeimungs-, Geruchsreduzierungs- und Beleuchtungssystem der CleanTec Air! verbessert die Luft- und Lichtqualität. Dieses innovative System zerstört die DNA von Micro-Organismen in der Luft bis zu 99,9% und reduziert somit die Ansteckungsgefahr. Gerade in der bevorstehenden Erkältungs-Zeit ein deutlicher Mehrwert für alle Fahrgäste in ÖPNV und SPNV. SET4FUTURE freut sich geeignete Partner für die Photon Meissener Technologies und CleanTec Lighting GmbH zu finden, um mit diesem Produkt den Regionalverkehr einzigartig, gesünder und attraktiver zu gestalten.

Digitale Schadaufnahme und Augmented Reality
Gleich zwei Unternehmen bearbeiten Projekte zum Thema Digitalisierung in der Instandhaltung von Schienenfahrzeugen. Ein wichtiges Thema, denn Schienenfahrzeuge sind komplexe technische Konstruktionen, die zuverlässig und sicher gewartet werden müssen, aber eben auch schnell wieder zurück auf die Schiene sollen, um Fahrgäste zu befördern. RailMaint aus Delitzsch ist dabei im Bereich digitale Schadaufnahme unterwegs und CE cideon engineering ist auf der Suche nach Anwendungspartnern für den Einsatz von Datenbrillen mit sog. Augmented Reality in der Instandhaltung.

Sicherungstechnik – Neue Sekundärbahn (NSB)
Im Vorhaben Neue Sekundärbahn (NSB) wird ein neuartiges Systemkonzept entwickelt, das sich einerseits durch Dezentralisierung der Funktionen der Fahrzeugbewegungssicherung auszeichnet und andererseits durch teilweise Verlagerung der sicherheitsrelevanten Funktionen auf das Fahrzeug. Ziel ist es, ein neuartiges Zugsicherungs- und Steuerungssystem für das sekundäre Bahnnetz zu entwickeln, das einen kostengünstigeren Betrieb ermöglicht. Mit Hilfe von SET4FUTURE soll die zweite Stufe des Projektes auf den Weg – und danach an den Markt – gebracht werden. Projektpartner sind CERSS Kompetenzzentrum Bahnsicherungstechnik, TU Dresden, IFB Institut für Bahntechnik und Photon Meissener Technologies.

Nach den Werkstattgesprächen und gut gestärkt vom reichlichen Abendbuffet gipfelte der Abend in eine rege Podiumsdiskussion zum Thema „Herausforderungen für die schienengebundene regionale und städtische Mobilität in der Zukunft – Was braucht der Markt? Was kann Sachsen leisten?“. Das Panel war mit Branchenakteuren aus der sächsischen Wirtschafts- und Forschungslandschaft besetzt: Dr. Jürgen Dornbach (Vorsitzender der Geschäftsleitung DB Regio Netz Verkehrs GmbH), Andreas Hemmersbach (Vorstand Finanzen und Technik, Dresdner Verkehrsbetriebe AG), Andreas Ditsche (Geschäftsführer, RailMaint GmbH in Delitzsch), Michael Brandhorst (Geschäftsführer, Photon Meissener Technologies GmbH in Meißen) sowie Prof. Dr.-Ing. Jochen Trinckauf (Inhaber der Professur Eisenbahnsicherungstechnik an der TU Dresden).

Das Panel war sich einig, dass im Freistaat eine hochkomprimierte Fachkompetenz im Bereich der Verkehrstechniken und -wissenschaften vorliege, diese in Deutschland einzigartige Situation jedoch besser erkannt und genutzt werden müsse. Der Freistaat hat die Expertise Maßstäbe in der Branche sowie in Mobilitätsfragen zu setzen. Hierfür müssten jedoch bestehende Technologien stärker hinterfragt und der Denkansatz („weg von den ungelösten Problemen hin zu innovativen Lösungen“) grundlegend geändert werden, so Prof. Dr.-Ing. Jochen Trinckauf.

Gerade im Bereich der Digitalisierung stecken enorme Innovationspotenziale für Sachsen. Themen, wie Digitalisierung in der Instandhaltung (Predictive Maintenance) und im Werkstattbetrieb, stecken noch in den Kinderschuhen. Andere Branchen, wie die Luftfahrt, sind hier schon viel weiter.

Mit dem Innovationscluster SET4FUTURE sollen Themen wie diese nun zielgerichtet angegangen, technologische Lösungen entwickelt und international vermarktet werden. Da sich das Clusterprojekt SET4FUTURE aktuell noch in der Aufbauphase befindet, sind Unternehmen, Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen aus Sachsen eingeladen, sich diesem Netzwerk anzuschließen und es mit ihren Ideen und Kompetenzen mitzugestalten: www.bts-sachsen.de/das-innovationscluster-set4future/.

Signet_gruen [Konvertiert]
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.