Seit dem 1. November 2020 hat das innereuropäischen Projekt STAFFER – „Skill Training Alliance For the Future European Rail System“ – begonnen. Das auf vier Jahre angelegte Projekt wird durch das Erasmus+ Programm der Europäischen Union unter der Leitung der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur (DG EAC) finanziert. Im nachfolgenden soll das Projekt vorgestellt werden.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat der europäische Bahnsektor große Veränderungen erfahren. Heute spielt der Schienenverkehr eine Schlüsselrolle für die europäische Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Schiene wird als wichtige Triebkraft bei der Entwicklung des strategischen Ziels eines intelligenten, grünen und nachhaltigen Wachstums in Europa gesehen. Von der Europäischen Kommission wurde eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Rolle der Schiene im europäischen Verkehrssystem festgelegt. Diese Maßnahmen umfassten verschiedene Bereiche, die die Konsolidierung des legislativen Ansatzes durch das vierte Eisenbahnpaket, die Gründung des gemeinsamen Unternehmens Shift2Rail und die Investitionen zur Modernisierung des Eisenbahnsystems durch das CEF-Programm (Connecting Europe Facility). Das übergreifende Ziel war es, den Bahnsektor neu zu beleben und ihn gegenüber anderen Verkehrsträgern wettbewerbsfähiger zu machen, in der Vorstellung, dass die Bahn das Rückgrat eines einheitlichen intermodalen europäischen Verkehrssystems sein wird.

Die europäische Schienenmobilität wird von einer qualifizierten Belegschaft getragen, die täglich Instandhaltung, Betrieb, Planung und Dienstleistungen erbringt. Dennoch sind diese Arbeitskräfte großen Veränderungen unterworfen: Einerseits wird erwartet, dass etwa 30 % in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen werden, andererseits erfordert der große, durch Forschung und Innovation angetriebene Transformationsprozess, mit besonderem Bezug auf Digitalisierung und Automatisierung, die Einbringung geeigneter Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Digitalisierung schreitet schnell voran und führt zu einer erhöhten Nachfrage nach mehr IKT- und breit gefächerten technischen Fähigkeiten sowie nach Soft Skills. Darüber hinaus gibt es einen wachsenden Bedarf an Fähigkeiten im Zusammenhang mit der Modernisierung der Bahninfrastruktur, des Verkehrsmanagements und des rollenden Materials. Eine große Herausforderung in diesem Rahmen ist die Schwierigkeit, Mitarbeiter zu rekrutieren, einschließlich unterrepräsentierter Gruppen wie Frauen und junge Menschen. Dies ist vor allem auf zwei Aspekte zurückzuführen: eine weit verbreitete, negative Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen im Bahnsektor und ein geringes Bewusstsein für die hochtechnologischen Beschäftigungsmöglichkeiten, die der Sektor mit der Einführung neuer Bahntechnologien bietet.

Das Projekt STAFFER zielt darauf ab, eine ganzheitliche Strategie zu erarbeiten, die den aktuellen und zukünftigen Qualifikationsbedarf identifiziert und hiermit zur Weiterentwicklung von Studiengängen im Eisenbahnwesen beiträgt. Weiterhin werden die Beschäftigungsfähigkeit und die Karrieremöglichkeiten in Sektor Bahn verbessern, indem an der Einrichtung von europaweiten Mobilitätsprogrammen sowie Schaffung von arbeitsbezogenen Praktika für Studenten, Auszubildende und Mitarbeiter gearbeitet wird. STAFFER plant, Lösungen für das Humankapital auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette der Bahn zu liefern, die sowohl die Bedürfnisse der Zulieferindustrie als auch die der Bahnbetreiber abdecken.

Um den erforderlichen Qualifikationsbedarf zu ermitteln und die Zusammenarbeit zu verbessern, sind unter den 32 Projektpartnern auch Interessenvertreter der Industrie wie Siemens, der Bahnberber wie Deutsche Bahn sowie Hochschulen wie Technischen Universität Dresden und Fachhochschule Erfurt. Die Leitung des Projektes hat die Universität Genua, Italien.

Bei Fragen zu dem Projekt können Sie sich an Frau Dr.-Ing. Elena Queck, Technische Universität Dresden, Professur für Verkehrssicherungstechnik (https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ibv/vst) unter elena.queck@tu-dresden.de wenden.