Am 5. Juni standen im Rahmen der 2. SET4FUTURE Research Factory Projektideen rund um das Thema „Digitalisierung und Augmented Reality für Smart Maintenance“ im Fokus. Ort des Geschehens und Mitgastgeber waren das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden. Zusammen mit weiteren sächsischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen konnten eine Hand voll konkrete Projektansätze identifiziert werden, die nun im Rahmen des Innovationsclusters SET4FUTURE weiter vorangetrieben werden sollen.

Nach dem erfolgreichen Auftakt beim spanischen Forschungs- und Technologiezentrum Eurecat in Spanien zog die SET4FUTURE Research Factory knapp ein Dutzend sächsische Unternehmen und Forschungseinrichtungen in das Fraunhofer ITKS nach Dresden. Im Rahmen der Projektwerkstatt tauschte man sich zu aktuellen Instandhaltungskonzepten, bestehenden Technologien sowie möglichen Anwendungen aus, mit dem Ziel technologische Potenziale und Grenzen in Hinblick auf gemeinsame Projektansätze aufzudecken. Vorab ließ sich der stellvertretende Institutsleiter des Fraunhofer IKTS jedoch nicht nehmen, das Institut samt Leistungsspektrum vorzustellen.

So arbeitet das Fraunhofer IKTS am Standort Dresden-Klotzsche u.a. auf dem Gebiet der zerstörungsfreien Prüfung (ZfP). Als Forschungs- und Technologiedienstleister erarbeitet das Institut Methoden, Sensoren und Prüfgeräte für verschiedene Arten der zerstörungsfreien Prüfung und Überwachung. Tätigkeitsschwerpunkte im Bahnbereich sind Radsatzprüfungen, wie Ultraschalltechnik für längsgebohrte Radsatzwellen, Vollwellen, Radsatz- und Wellenprüfung, sowie Inspektionen der Bahninfrastruktur, wie Ultraschalltechnik für Oberleitungen, die im Rahmen von Industriekooperationen bearbeitet werden. Auch die Digitalisierung spielt in IKTS-Prüflösungen eine große Rolle. Beispiele hierfür sind die Auswertung oder Visualisierung komplexer Datenmengen sowie die Entwicklung von Augmented-Reality-Lösungen (AR-Lösungen) unter anderem auch für Bahnanwendungen.

Die fachlichen Impulse aus dem Hause Fraunhofer ITKS wurden mit zusätzlichen Beiträgen aus dem Teilnehmerkreis ergänzt. So stellte Professor Dr. Neugebauer von der HTW Dresden / Professur Portable Adaptive Systeme sowie Gründer und IOT-Stratege der sciota GmbH einen Digitalisierungsansatz für Radsatzdrehmaschinen vor, dessen Messdatenauswertung mittels AR-Einsatz auf eine neue Stufe gestellt werden soll. Hierbei wies Professor Dr. Neugebauer auch auf Probleme und zum Teil noch ungeklärte Fragen aus der Praxis (z.B. Arbeitsschutz und Datenschutz) hin, die jedoch bei der Implementierung einer AR-Lösung von Anfang an mitgedacht werden sollte.

Anschaulich wurde es mit dem Potsdamer Start-up nxtBase, welches ihre Assisted Reality-Lösung „out of the box“ präsentierte. Hinter der Idee einer „Qualitätskontrolle aus dem Koffer“ verbirgt sich ein KI-gestütztes Assistenzsystem, welches sicherheitsrelevante Überprüfungen mobil ermöglicht und auch Daten aus ERP-Systemen oder Sensoren übernimmt.

Auch das sächsische Unternehmen CE cideon engineering stellte ihre Hololense-Lösung vor, die zukünftig papierbasierte Vorgänge (z.B. Dokumentationen und Schulungen) zur Effizienzsteigerung sowie Aufwertung des Arbeitsplatzes ablösen könnte. Aktuell befindet sich cideon auf der Suche nach Kooperationspartner aus dem Anwendungsbereich, um die Möglichkeiten und Grenzen von AR im Rahmen eines Förder- oder Pilotprojektes zu erforschen und darauf aufbauend anwendungsspezifische Lösungen zu entwickeln.

Rechtsanwalt Dr. Axel Schober bereicherte die Diskussion schließlich mit dem Blick durch die juristische Brille. Fakt ist, der Wandel zur Industrie 4.0 wirft eine Fülle von Rechtsfragen (z.B. Datenhoheit, Haftung, Arbeitsrecht) auf, die zum Teil durch die anerkannten gesetzlichen Instrumente noch nicht abschließend beantwortet werden können. Nichtsdestotrotz, sollte bei jeder Debatte zu datengetriebenen Geschäftsmodellen auch die juristischen Aspekte Berücksichtigung finden.

Am Tagesende konnten insgesamt fünf Projektansätze/-vorhaben eruiert werden, die es nun weiterzuverfolgen gilt. Hierfür werden aktuell folgende Projektpartner gesucht:

– Betreiber / Instandhalter für Beteiligung an Projektkonsortien zum Thema AR

Data-Science-Partner für Projektkonsortium „Zustandsüberwachung im Fahrbetrieb“

Wissenschaftspartner für zwei weitere Projektkonsortien zum Thema Condition Based Maintenance und Digitalisierung in der Instandhaltung

Sie wollen uns bei dem einen oder anderen Projektvorhaben unterstützen oder benötigen noch weitere Informationen? In jedem Fall steht Ihnen Christin Lorenz unter christin.lorenz@bts-sachsen.de als Ihre Ansprechpartnerin zur Verfügung.

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 Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.