Acht sächsische Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und Bahntechnik ergriffen Ende Juni 2019 die Gelegenheit im Rahmen eines WFS-Wirtschaftsprogramms Geschäftskontakte in der Schweiz zu knüpfen. Innerhalb von zwei Tagen wurden sechs Gesprächstermine mit bedeutenden Branchenakteuren des Alpenlandes, wie ABB, SBB und Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), durchgeführt. Mit dabei natürlich auch BTS Rail Saxony, um seine 70 Vereinsmitglieder zu vertreten. Idealer Ausgangspunkt des Wirtschaftsprogramms bildete das 5. Interdisziplinäre Fahrzeugkolloquium, welches in diesem Jahr bei Stadler Rail in Bussnang stattfand.

Die Schweiz ist stolzes Bahnland, daran ließen die zahlreichen Gesprächspartner, ob Fahrzeughersteller, Engineering-Dienstleister, Verkehrsbetreiber oder der Schweizer Bahntechnikverein, nie einen Zweifel. Ganz im Gegenteil, der Verkehrsträger genießt einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Mit gut 5.200 Schienenkilometern und 2.100 Bahnhaltestellen unterhält die Schweiz sogar das dichteste Schienennetz weltweit. Dies lässt sich der Schweizer Staat auch einiges Kosten. Insgesamt wurden im Jahr 2018 365 Euro pro Kopf in den Verkehrsträger Schiene investiert (77 Euro pro Kopf in Deutschland; Quelle: Allianz pro Schiene 2019). So wundert es kaum, dass für viele BTS-Mitgliedsunternehmen das Alpenland als Geschäftspartner ganz oben auf der Wunschliste steht. Mit dem Wirtschaftsprogramm, initiiert vom BTS und organisiert von der Wirtschaftsförderung Sachsen (WFS), sind wir dem Wunsch nach einer unterstützen Kontaktanbahnung nachgekommen.

Innerhalb von gut zwei Tagen erhielten die acht Reiseteilnehmer, darunter auch BTS Rail Saxony zur Vertretung seiner Mitglieder, die Gelegenheit mit bedeutenden Unternehmen der Schweizer Bahn- und Mobilitätsbranche hinsichtlich Absatz- und Kooperationsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen:

ABB Schweiz AG (Baden): Aufbauend auf einer über 130-jährigen Tradition der Innovation präsentiert sich ABB heute als Technologieführer in digitalen Industrien mit vier kundenorientierten, weltweit führenden Geschäftsbereichen Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebstechnik und Robotik & Fertigungsautomation. Im Bereich der Mobilität stellen Elektrifizierung (mit 40 Prozent der Umsätze) und Antriebstechnik (mit 60 Prozent der Umsätze) die bedeutendsten Geschäftsfelder dar. Das marktführende Stromnetzgeschäft von ABB wird 2020 an Hitachi verkauft. ABB ist in mehr als 100 Ländern tätig und beschäftigt etwa 147.000 Mitarbeitende, davon rund 6.000 in der Schweiz.

HESS AG (Bellach): Über 300 motivierte und bestausgebildete Mitarbeitende, Tausende von Fahrzeugen im Einsatz, auf fünf Kontinenten, bei unterschiedlichsten Bedingungen: Der Name HESS steht weltweit für leidenschaftlichen Fahrzeugbau, für effiziente und zuverlässige Mobilität, für Entwicklung und Fortschritt, für Innovation und Kreativität. Mit eigenen Fahrzeugen und dem Baukastensystem CO-BOLT® hat das Unternehmen den guten Ruf der Schweizer Präzisionstechnologie mitgestaltet. HESS ist der Technologieführer im Bereich E-Busse in der Schweiz. Mit dem Zukauf der Lex & Hesse GmbH mit Standorten in Dresden und Berlin erweitert das Unternehmen sein Produktportfolio um das Ersatzteilegeschäft für Busse und Bahnen. Aufgrund der sehr guten Auftragslage der HESS AG werden stetig zuverlässige Zulieferer, z.B. von Chassis, gesucht.

PROSE AG (Winterthur): Das 1982 in Winterthur gegründete Unternehmen ist ein weltweit agierender, unabhängiger Engineering-Dienstleister im Sektor der Mobility-Lösungen in der Schweiz, Schweden, Deutschland, Italien und Dänemark. Mit mehr als 200 engagierten und erfahrenen Mitarbeitern (u.a. auch in München und Berlin) setzte das Unternehmen weltweit über 3.000 Fahrzeug- und Infrastrukturprojekte um. Hersteller, Betreiber, Behörden und Werkstätten gehören zum Kundenstamm der PROSE AG. Zusammen mit Verkehrsbetreibern setzt sich das Unternehmen aktuell intensiv mit planerischen Fragen rund um das Thema automatisiertes Fahren auseinander.

SBB AG (Bern): Als integrierte Bahn bewegt SBB die Schweiz – über 1,25 Millionen Reisende und 210 000 Tonnen Güter Tag für Tag. Im Besitz der SBB befinden sich 3.230 Streckenkilometer sowie 3.500 Gebäude. Der Bund und die SBB wollen mit dem strategischen Entwicklungsprogramm (STEP) das Schweizer Bahnnetz kundenorientiert und wirtschaftlich weiter ausbauen. Der STEP AS 2035 ist der zweite Ausbauschritt des Programmes und umfasst ein Investitionsvolumen von mehr als 11 Mrd. Euro bis 2035. Seitens SBB ist u.a. die Beschaffung von 300 Zügen zwischen 2025-2035 geplant.

Hinweise zum SBB-Lieferanten- und Beschaffungsmanagement:

  • Grundsätzlich ist die nachhaltige Beschaffung in der SBB Konzernstrategie verankert. Diese wird anhand der Transparenz gemessen, welche sich aus der Teilnahme an der Online-Plattform EcoVadis ergibt. >>Weiterführende Informationen zum SBB Lieferantenmanagement und EcoVadis
  • Aufträge (Liefer- und Dienstleistungsaufträge, resp. Bauaufträge), welche den Schwellenwert gemäß Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen erreichen oder übersteigen, werden öffentlich ausgeschrieben. Offizielles und verbindliches Publikationsorgan ist die offizielle elektronische Beschaffungsplattform >>Simap. Auf dieser Plattform können sich Lieferanten auch registrieren, um sich relevante Ausschreibungen per Push-Funktion automatisch zusenden zu lassen.

SWISSRAIL (Bern): SWISSRAIL Industry Association ist der Verband der Schweizer Bahnindustrie. Er vereinigt über einhundert Mitglieder und repräsentiert damit fast Dreiviertel der Schweizer Bahnindustrie. Die Vereinsmitglieder produzieren Fahrzeuge und Komponenten und erbringen Dienstleistungen für alle Formen des spurgebundenen Verkehrs. SWISSRAIL organisiert Studienreisen und Messepräsenzen, vertritt die Mitgliederinteressen gegenüber Politik, Behörden und den Medien und ist mit den bedeutendsten Akteuren des öffentlichen Verkehrs vernetzt.

Verkehrsbetriebe Zürich VBZ (Zürich): Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) sind neben den SBB der größte Anbieter von Transportdienstleistungen im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Die VBZ bieten den Menschen der Stadt Zürich und der umliegenden Regionen eine qualitativ hochstehende Versorgung mit dem öffentlichen Nahverkehr. Das Stadt- und Regionalnetz umfassen insgesamt über 500 Streckenkilometer, über 150 Kilometer davon entfallen auf das Gleisnetz. Mehr als 250 Schienenfahrzeuge befinden sich aktuell im Besitz der VBZ.

Hinweise zum VBZ-Lieferanten- und Beschaffungsmanagement:

  • Die Abteilung Beschaffung und Einkauf, innerhalb der Organisation der Unternehmenslogistik, verantwortet unter Berücksichtigung der Submissionsverordnung des Kantons Zürich, das komplette Einkaufsvolumen der Verkehrsbetriebe Zürich.
  • Beim Beschaffungswesen werden die maßgebenden Schwellenwerte des Kantons Zürich berücksichtigt. Für die offene Vergabe wird die offizielle elektronische Beschaffungsplattform der Schweiz >>Simap Auf Verhandlungsrunden wird grundsätzlich verzichtet, d.h. das eingereichte Angebot muss den finalen Preis enthalten.
  • VBZ ist stets auf der Suche nach jungen, agilen und innovativen Lieferanten (z.B. in den Bereichen Fahrgastanzeige, Ticketing und Informationstechnologie). Vor diesem Hintergrund sollten sich ausdrücklich auch junge und kleine Unternehmen auf Aufträge (>>Simap)
  • Ab einem Auftragswert in Höhe von 700.000 CHF müssen per Gesetz Anbieter aus dem Ausland berücksichtigt werden. Seitens VBZ werden ausländische Anbieter bereits darunter berücksichtigt, insofern Qualität, Preis-Leistung und/ oder Innovationsgeist überzeugen.
  • Wie bei SBB nimmt die soziale und ökologische Nachhaltigkeit der Beschaffung einen sehr hohen Stellenwert ein, sodass die Lieferanten angehalten sind, die Prozesskette offenzulegen.

Den idealen Ausgangspunkt des Wirtschaftsprogramms bot das „5. Interdisziplinäre Fahrzeugkolloquium Sachsen“, welches in diesem Jahr beim Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail stattfand. Das Kolloquium konzentriert sich auf die Bereiche Interieur und Materialen für die Verarbeitung im Straßen-, Wasser-, Schienen- und Luftfahrzeugbau. Vertreter der einzelnen Sparten haben hier die Möglichkeit, auf nationaler und internationaler Ebene zum gegenseitigen Austausch zu Forschungsthemen und Kooperationsansätzen zusammenzutreffen und mit Einkäufern des gastgebenden Unternehmens in Kontakt zu kommen. Das Kolloquium wurde von der WFS und dem Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) organisiert.

Jetzt schon vormerken: Das nächste Fahrzeugkolloquium findet am 9. Juni 2020 im MAN Mus Modification Center in Plauen statt.

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 Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.