Das Fazit der PERES-Unternehmerreise in die USA

Vom 31. März – 06. April 2019 erkundete die PERES-Delegation von 20 Teilnehmern aus Europa US-amerikanischen Bahntechnikmarkt. Das Besondere an der Mission: Es war eine europäische Delegation, die durch das EU-Projekt „PERES – Promoting European Railway Excellence outside of Europe“ entstand. Dabei loteten Unternehmen und Bahntechnikcluster aus Italien, Frankreich, Großbritannien, Serbien, Dänemark und Deutschland gemeinschaftlich potentielle Marktchancen in Chicago (Illinois), Cleveland (Ohio) und Pittsburgh (Pennsylvania) aus.

Die PERES-Delegation bestand aus 20 Teilnehmern, davon elf Unternehmer, 8 PERES-ClusterpartnerInnen, darunter BTS Rail Saxony, und die Wirtschaftsförderung Sachsen. Auf der Reise taten sich unerwartete Marktchancen auf und neue, interessante Kontakte konnten für sächsische Unternehmen und für die SET4FUTURE-Projekte akquiriert werden. Lesen Sie dazu mehr im Bericht. Sie entdecken während der Lektüre spannende Organisationen zu denen Sie Kontakt suchen?  Dann kontaktieren Sie BTS Rail Saxony!

Chicago als größter Transport- und Logistikhub der USA

Am Sonntag, den 31.03.2019, begann die Mission mit einem Überblick über Chicago’s Geschäftsumfeld und einem `How to do Business in Illinois` vom Direktor für `International Business Development` von World Business Chicago. Die Non-Profitorganisation ist eine öffentlich-private Partnerschaft, deren Ziel es ist, das wirtschaftliche Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern, Unternehmen zu unterstützen und Chicago als eine der führenden, globalen Städte und als wirtschaftlich attraktiven Standort für ausländische Unternehmensansiedlungen zu vermarkten.

Chicago ist die drittgrößte Stadt der Vereinigten Staaten mit einer Einwohnerzahl von 2,7 Millionen Menschen im Stadtkern und 9,7 Millionen Menschen in der Metropolregion Chicagos. Mit einem BIP von 609 Milliarden Dollar[1] zählt sie zu den wirtschaftsstärksten Metropolen der Welt.[2] Mit seiner zentralen geografischen Lage und Zugang zu allen Transportwegen ist Chicago der führende Transport- und Logistikhub der USA. Der Hafen Chicago’s als Dreh- und Angelpunkt von Güterfrachtverkehr, Schienen- und Lufttransport ist der größte Inlandshafen Nordamerikas.[3]

Die effiziente Beförderung großer Gütervolumen ist einer wichtigsten Wirtschaftszweige der Metropolregion mit einem BIP von 20,9 Milliarden Dollar und 190.049 Beschäftigten. Der Schienenverkehr bildet davon 1,8 Milliarden Dollar BIP, 1.011 Arbeitsplätze und somit 3,7 Prozent der Beschäftigten ab. Chicago ist in den USA der verkehrsreichste Bahnknotenpunkt für Schienengüterverkehr: Sechs der sieben Class I – Eisenbahnen haben einen Großterminal in Chicago.[4] Fast die Hälfte des nationalen, intermodularen Schienenverkehrs fährt durch Chicago;[5] 500 Güter- und 700 Passagierzüge durchqueren die Region täglich. Nach Warenwert sind die meisten Güter, die über die Schiene transportiert werden Chemikalien, Kohle, Düngemittel, Plastik und Gummi.[6]

CRRC investiert in den Nahverkehr Chicagos

Der öffentliche Nahverkehr in Chicago wird unter RTA (Regional Transportation Authority) von drei Gesellschaften betrieben. Zum einen CTA – Chicago Transport Authority mit Bus- und Bahnangeboten in und um Chicago, u.a. dem berühmten `The Loop` bzw. nur ´L´, die Hochbahn die den Geschäftsbezirk Chicagos innerhalb einer 2,88 km langen, kreisläufigen Strecke verbindet. Ein weiterer Betreiber ist Metra, die Schnellbahnverbindungen in der Metropolregion Chicagos anbietet und die Vororte in Illinois und Wisconsin verbindet.

Derzeit investiert das chinesische Unternehmen CRRC Sifang America in eine neue Produktionsstätte für Schienenfahrzeuge im Wert von 100 Millionen Dollar im Süden Chicagos. Dort sollen die neuesten Fahrzeuge für CTA, die 7000er Serie, montiert werden. Das bedeutet, dass zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder Triebwägen in Chicago hergestellt werden. Die Produktion soll noch im Jahr 2019 anlaufen und 170 Arbeitsplätze in der Produktion, Lager und im Management bringen. Bereits während des Baus entstanden 200 Arbeitsplätze. Im März 2019 flogen bereits die ersten Arbeiter nach China, um eingearbeitet zu werden.[7]

Zu Besuch beim größten Konkurrenten von Wabtec – Progress Rail und Electro-Motive

Am 01.04.2019 besuchte die Delegation den Produktionsstandort von Progress Rail und Electro-Motive, die zur Caterpillar Gruppe gehören, in LaGrange. Progress Rail bietet das Komplettangebot von Schienenfahrzeug- und Infrastrukturlösungen an. Das Unternehmen hat 6.800 Mitarbeiter weltweit an 200 Standorten in 16 Ländern und in seinem Portfolio sind alle Leistungen „von der Wiege bis zur Bahre“ inbegriffen: EMD-Lokomotiven und -Motoren, Triebwagen, Gleisbauarbeiten, Befestigungen, Signaltechnik, Schienenschweißen, Instandhaltung der Schienenwege, Reparatur von Lokomotiven Güterwägen, Asset Protection, Aftermarket-Support und Recycling. [8] Die Unternehmensvertreter berichteten von einer wachsenden Nachfrage für umgerüstete, treibstoffeffiziente Lokomotiven und Instandhaltung. In der Produktionshalle spiegelte sich dieses Verhalten wieder, da die geringe Nachfrage nach neuen Lokomotiven und Motoren dazu führt, dass die Produktion nicht ausreichend ausgelastet ist und Umstrukturierungen nötig sind. Dementsprechend fängt Progress Rail derzeit an, bestimmte Bereiche der Produktion auszulagern.

Neben dieselelektrischen Motoren bietet Progress Rail auch Dieselgas-Motoren an, die laut dem Unternehmen eher in der Zukunft eine größere Rolle spielen werden, da der Dieselpreis derzeit sehr niedrig ist.

Innovationstechnisch ist im Bereich Signaltechnik die Progress Rail Uptime-Analyseplattform für zustandsorientierte Instandhaltung im gesamten Ökosystem Bahn hervorzuheben, die das Unternehmen zusammen mit dem Start-Up Uptake entwickelte. Es identifiziert Probleme bevor sie entstehen und liefert Einblicke in die Arbeitsabläufe für die Verbesserung von Effizienz und Produktivität.[9] Weitere Innovationen sind die Drohnen, die eingesetzt werden um Brückeninspektionen durchzuführen und die Asset Protection, bei der die Müdigkeit von Fahrern durch Gesichtsanalyse erkannt wird. Des Weiteren gibt es bereits Pilotprojekte für automatisiertes Fahren, jedoch fehlt es noch an der Bereitschaft der Kunden eine Veränderung in diesem Bereich vorzunehmen.

Der größte Konkurrent ist GE – General Electric, dessen Geschäftssegment GE Transportation im März 2019 auf Wabtec überging. Durch die Fusion wird die Organisation auf die Fortune Global 500-Liste der größten Unternehmen der USA mit einem erwarteten Umsatz von 8 Milliarden Dollar in 2019 (und 27.000 Mitarbeitern) kommen.[10] Somit teilen sich nun Wabtec Corp und Progress Rail den amerikanischen Markt der Schienenfahrzeughersteller auf.

Chicago‘s SPNV-Betreiber Metra im Umbruch – Interesse an europäischen Innovationen

Die zweite Station des Tages war Metra, die den SPNV für den Großraum Chicago seit 1984 betreiben. Das Unternehmen, das 2.800 Mitarbeiter beschäftigt, betreibt 11 Linien und 242 Stationen und besitzt eine Flotte von ca. 1100 Fahrzeugen, von denen alle Diesel betrieben sind bis auf 180 elektrisch Betriebene.

Neben CTA und der Bussparte Pace gehört Metra zur Regional Transportation Authority (RTA), die 1974 vom Staat Illinois gegründet wurde, nachdem die SPNV-Systeme insolvent gingen. Metra ist heute zu 50 Prozent finanziert durch öffentliche Mittel und zu 50 Prozent durch die Einnahmen durch die Fahrpreise.

Steigt man/frau in die Züge der Gesellschaft steigt, fällt der dringende Überholungsbedarf bzw. der benötigte Austausch dieser auf.  Und obwohl ohne den SPNV der Verkehr in Chicago zusätzliche 27 Fahrbahnen bräuchte und der Verkehr zum Erliegen kommen würde, werden Metra jährlich von der Regierung nur 1.008 Milliarden Dollar statt der benötigten 1.4 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt für die benötigten Betriebs- und Kapitalkosten. Der PERES-Delegation wurde von der Geschäftsführerriege Metra’s offen mitgeteilt, dass Metra in der jetzigen finanziellen Situation nicht überleben kann und im Moment alle Kräfte darauf konzentriert werden, neue Finanzierungsmöglichkeiten aufzufinden.

Um Kosten einzusparen werden vermehrt die Instandhaltung, Sanierung und Wiederaufbereitung von Lokomotiven und Personenfahrzeugen inhouse vorgenommen, sodass auch das Wissen zur Instandhaltung im Unternehmen bleibt. Dafür werden derzeit die Kapazitäten der Wartungshalle erweitert, die die PERES-Delegation mit einer privaten Zugfahrt, arrangiert durch Metra, besuchen konnte. Jedes Jahr werden dort etwa 38 Waggons komplett saniert. Dabei durchlaufen die Waggons sieben Stationen in 28 Tagen. Vier bis sechs Waggons werden dabei gleichzeitig in der Halle bearbeitet. Seit 2010 wurden im Rahmen der Einsparungen 231 Waggons und 17 Lokomotiven saniert und 22 Lokomotiven wiederaufbereitet. So konnten bereits über 85 Millionen Dollar eingespart werden und über 40 Millionen Dollar Löhne an neue Mitarbeiter bezahlt werden.

Trotz der Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen müssen in den kommenden fünf Jahren 380 Waggons neu beschafft werden, da 380 der jetzigen Flotte bereits vor 1980 gebaut worden sind. Das älteste Fahrzeug der Flotte ist zum heutigen Stand 66 Jahre alt. Auch eine direkte Verbindung zu Chicago’s internationalem Flughafen O’Hare ist in Planung.

Den strategischen Fokus legt Metra für die kommenden Jahre neben den Einsparungen der Betriebskosten, u.a. durch Condition-Based-Maintenance-Lösungen (CBM), auf die Themen Safety & Security (Passagier-, Bahnübergangs-, Fahrzeugsicherheit, u.a. mit der verpflichtenden Einführung von PTC-Programmen (Positive Train Control)), auf die Steigerung der Fahrgastzahlen und die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid (Tier 4-Zertifizierung).

Die Geschäftsleitung von Metra kündigte der PERES-Delegation nicht nur die massiven Investitionen in den nächsten fünf Jahren an, sondern zeigte auch großes Interesse an der Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen und an Innovationen in jeglichen Bereichen.

 Ausweg aus dem ‚Buy America Act‘ (BAA)

Die Betonung bei Metra lag aber ebenfalls auf „Buy American“, denn staatliche Unternehmen, wie es in den USA SPNV-Unternehmen sind, sind verpflichtet bei amerikanischen Unternehmen einzukaufen. Das kann aber durch eine Produktionsstätte in den USA („Made in America“) umgangen werden, siehe Beispiel CTA. Außerdem müssen nur 60 Prozent der Produktion in den USA hergestellt bzw. zusammengebaut werden. Neben ‚Buy American‘ betrachtet Metra als Auswahlkriterien bei der Beschaffung auch die Diversität der sich bewerbenden Zulieferer, z.B. wird darauf geachtet KMU oder frauengeführte Unternehmen auszuwählen.

Zudem müssen nicht alle US-amerikanischen Unternehmen den BAA anwenden, sondern nur die, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Für private Unternehmen, wie es in den USA alle Schienenverkehrsunternehmen sind (da hochprofitabel), ist der BAA nicht bindend. Das erklärte uns ein Güterwagenverleiher und die Wirtschaftsförderung Illinois‘ beim Networking-Dinner in Chicago.

Großer Bedarf an Instandhaltung und Refurbishment auch in Ohio

Das Programm der PERES-Unternehmerreise in Ohio wurde von den Wirtschafsfördergesellschaften JobsOhio und Team Neo erstellt. Der Wirtschaftsraum Ohio wird besonders stark von den Industrien Automotive, Luftfahrt, Chemie, Gesundheit und Metall bestimmt. Dennoch ist er auch für die Bahnindustrie interessant bzgl. der Nähe zur Fertigungsindustrie und den bereitstehenden Arbeitskräften, den niedrigsten Steuern, die der Mittlere Westen für das produzierende Gewerbe zu bieten hat, einer FuE-Investition von 12 Mrd. Dollar in Natur- und Ingenieurwissenschaften und der Nähe zu 55 Technologienzentren. Besonders spannend sind auch die zahlreichen Initiativen im Bereich Smart Mobility wie DriveOhio und 33 Smart Mobility Corridor. Der Korridor von 35 Meilen im Nordwesten von Columbus, Ohio durchquert drei Landkreise und verbindet die Städte Marysville und Dublin mit Honda’s North America Campus. Marysville wird z.B. als Teststätte für Honda’s Entwicklungen im Bereich autonomes Fahren genutzt. Zum Korridor gehört z.B. auch das SMART (Smart Mobility Advanced Research and Test) Center (Bau 2019) des Transportation Research Centers (TRC), welches als größte unabhängige Testanlage in den USA fungiert. In der Rapid Speed Transportation Initiative des 33 Smart Mobility Corridors wird im Moment mit Virgin Hyperloop One eine Machbarkeitsstudie zum Einsatz eines Hyperloops durchgeführt, um die Verbindung von Chicago, Columbus und Pittsburgh zu verbessern.

Da Ohio die Nr. 1 ist bzgl. der Herstellung von Glas, Plastik und Elasten stand am 03. April 2019 der Besuch und die Werksführung bei Molded Fiber Glass (GFK-Teilehersteller) in Ashtabula an. Das Unternehmen ist hauptsächlich im Bereich Automotive aktiv und stellt beispielsweise Teile für Corvette (GM) her, aber auch Truckteile und Windrotoren. Zurück in Cleveland konnte die PERES-Delegation Kontakte zu Bahnunternehmen aus Ohio knüpfen und das Ohio Aerospace Institute Cleveland stellte sich und seine derzeitigen Forschungsthemen vor: Additive Fertigung von Keramik, Icing, Sensoren für Hochtemperatur, Elektrische Flugantriebe und Blockchain. Wie bereits erwähnt ist Ohio stark in der Luftfahrtindustrie mit dem ansässigen NASA Glenn Research Center, ca. 600 Raumfahrtunternehmen, über 37.000 Arbeitnehmern und als Nr. 1 Lieferant für Boeing und Airbus.

Die Paneldiskussionen mit den Top-Bahnstituten Ohios (Ministerium, Bahnbetreiber, Fahrzeughersteller, Universitäten, etc) am 04. April 2019 in Cleveland bestätigten das Bild, das die Delegation bereits in Chicago, Illinois gewonnen hatte. In den kommenden Jahren werden viele Ausschreibungen auf den Markt gebracht, um die Schienenfahrzeuge und die Infrastruktur zu erneuern. Die Trends liegen auch hier im Bereich CBM und PTC, um die Qualität und Zuverlässigkeit erhöhen zu können. Das waren die Teilnehmer:

Pittsburgh im Trend – Viele Standortvorteile warten auf Unternehmen

Am 04.04.2019 wurde die PERES-Delegation herzlich vom Bürgermeister Pittsburghs, William Peduto, und den verschiedenen Wirtschaftsinitiativen empfangen und ein Überblick zum Wirtschaftsraum Pennsylvania, Allegheny County und Pittsburgh wurde gegeben.

Pittsburgh ist ein tolles Beispiel für gelungenen Strukturwandel von der Hochburg der Stahlindustrie zum Mekka für IT, Robotik, künstliche Intelligenz, Cybersecurity und automatisiertes Fahren. Ausschlaggebend sind die niedrigen Lebenskosten, die 35 Colleges und Universitäten (verfügbare Talente), die daraus hervorgehenden Innovationen, geringe Steuern, reiche Vorkommen an Erdgas und Wasser und die Außenwirkung des G20-Gipfels in 2009. Unternehmen wie Apple, Google, Uber, SAP oder Facebook haben die Vorteile unlängst erkannt und gründeten wichtige Standorte in der Stadt. Auch einer der PERES-Teilnehmer, ein italienisches Mittelstandsunternehmen, hat einen Zweig aufgrund der Standortvorteile in Pittsburgh gegründet.

Mittlerweile gibt es 13 Fortune 1000 Unternehmen und ein 139 Mrd. Dollar Business in der 2,6 Mio. Einwohnerstadt. Zu den ansässigen Bahnunternehmen gehören neben Wabtec auch Ansaldo, Bombardier Total Transit Systems, Siemens Rail Automation oder Thales Transit & Security, um nur die großen Namen zu nennen. Beim anschließenden Netzwerktreffen konnten Kontakte zu einigen dieser Unternehmen als auch zu lokalen Unternehmen hergestellt werden.

Aufgrund der guten geografischen Lage Pittsburghs zwischen Ostküste und Chicago kann eine Vielzahl an Märkten in kürzester Zeit erreicht werden. Der Flughafen fliegt 57 Ziele Nonstop an, ab April 2019 auch nach London, und bietet umfangreiche Kapazitäten für Luftfrachtumschlag an. Der zweitgrößte Inlandshafen der USA steuert die drei Hauptflüsse der Region an und wird von den Eisenbahngesellschaften CSX und Norfolk Southern und von vier Interstate-Highways angefahren. Bzgl. des Anschlusses an das Schienennetz gibt es 1.300 Meilen Schienen für den Güterverkehr und drei Class I- Eisenbahnen: CSX, Norfolk Southern und Bessemer & Lake Erie (gehört Canadian National). CSX und Norfolk Southern besitzen intermodale Eisenbahnterminals.

Carnegie Mellon Universität – Nur ein Beispiel für die große Innovationslandschaft in Pittsburgh

Am 05.04.2019 lud die Carnegie Mellon University die PERES-Delegation ein, um das College of Engineering, näher vorzustellen und potentielle Kooperationsfelder aufzudecken. Die Universität ist eine private Forschungsuniversität, die aus sieben unabhängigen Hochschulen besteht (eine davon das College of Engineering) mit ca. 14.000 Studenten aus ca. 110 Ländern, die nach Ihrem Studium zu den Bestbezahlten der USA gehören.[11] Sie gehört zu den Top 50- Universitäten weltweit und ragt vor allem in der Disziplin Computer Science hervor, dessen Studienprogramm als Nr. 1 weltweit gehandelt wird.

Bei unserem Besuch stand das College of Engineering im Vordergrund, dessen Forschungshighlights im Bereich Connected autonomous mobility, Drohnenanalysen von Brücken, Cybersecurity, Biometrik und Advanced Manufacturing liegen.

Traffic21, das Institut für Verkehrsforschung, berichtete von der Mitgliedschaft des Instituts und der Stadt Pittsburgh im MetroLab-Network, dass sich zum Ziel gesetzt hat, komplexe urbane Probleme zu lösen. So ist Pittsburgh ein Zentrum für Smart City bzw. Mobility-Tests. Dadurch sind bereits einige Spin-Offs entstanden wir ‚RoadBotics‘, die Straßen-Assessments durchführen, RapidFlow, die intelligente Transporttechnologien für Smart Cities entwickeln, oder Aptiv, die Intelligenz für vernetzte und automatisierte Fahrzeuge schaffen. Traffic21 hat ein Datenanalysezentrum für Mobilität, in dem sie z.B. multimodale Daten aufzeichnen und ein dynamisches Modell für die Region erstellen, dass Vorhersageanalysen aufstellen kann. Die Analysen lassen erkennen, wann die beste Zeit ist, um eine der 446 Brücken in Pittsburgh zu schließen, um den Verkehr nicht zu behindern.

Auch Wabtec kennt die Standortvorteile Pittsburghs

Das Next Manufacturing Center der School of Engineering steht an vorderster Front, wenn es um die Zukunft der additiven Fertigung und die Erforschung der zusammenhängenden Prozesse, Materialen, Kosten und Gestaltungsherausforderungen dieser Technologie geht. In den neuen Laboren werden derzeit die Legierungsentwicklung und Keramik, Design- und Prozessplanung und sichere Herstellung. Um am Forschungsgeschehen teilhaben zu können, werden Unternehmen Mitglied der Organisation. So forscht u.a. Wabtec zusammen mit Next Manufacturing. Mehr Informationen zum Projekt können Sie bei BTS Rail Saxony erfragen.

Beim anschließenden Networking Event in der Wirtschaftsförderung Allegheny County Department of Economic Development lernte die PERES-Delegation dann auch Vertreter von Wabtec kennen. Wabtec hat einen seiner drei Headquarter in Pittsburgh, die anderen in Chicago und Paris. Vor zwei Jahren fusionierte Wabtec mit Faiveley und im Februar 2019 erfolgte die Fusion mit der Schienenfahrzeugsparte von General Electric. Heute zählt Wabtec mit einem Umsatz von 8 Mrd. Dollar zu den Fortune Global 500- Unternehmen und hat 27.000 Mitarbeiter weltweit. Der führende Hersteller für Lokomotiven, Druckluftbremsen, Zugbeeinflussungssystemen, sowie weiterer Komponenten für Schienenfahrzeuge ist zu 65 % im Güterschienen- und zu 35 % im Passagierbereich tätig. Neben Wabtec präsentierte sich auch die Port Authority of Allegheny County, die den ÖPNV in Allegheny County also im Landkreis von Pittsburgh bereitstellen. Auch hier sind die Öffentlichen veraltet und Bedarf an neuen Fahrzeugen besteht.

Zusammenfassung Bahnmarkt USA

Das seit 1830 bestehende Eisenbahnwesen der USA war schon immer größtenteils privat, jedoch sehr stark reguliert. Die größer werdende Konkurrenz von Auto und LKW sorgte nach dem zweiten Weltkrieg für zahlreiche Insolvenzen. Erst in den 70er und 80er Jahren wurde die Regulierung gelockert, der Personenfernverkehr verstaatlich und große Investitionen in die Infrastruktur getätigt. Seit 1980 können Bahngesellschaften selbstständig und unternehmerisch handeln. Die Schienen-Infrastruktur ist größtenteils im Besitz der großen Güterbahnen (Class I). Als Class I werden in den USA die größten Gütertransporteisenbahnen bezeichnet von denen es sieben gibt. Kleinere Eisenbahnen wurden als Class II oder Class III bezeichnet.

Es gibt keine Hochgeschwindigkeitsstrecken (bis auf eine im Nordosten), die Strecken sind größtenteils nicht elektrifiziert (bis auf Nordosten) und teilweise veraltete Infrastruktur und Sicherheitstechnik ist vorzufinden. Insgesamt gelten geringere Sicherheitsstandards als in Europa. Der Schienen-Güterverkehr ist komplett privatisiert, also ein freier Markt, der hochprofitabel ist. Ca. 40 % des gesamten Güterverkehrs befindet sich auf der Schiene (vgl. 17% in Deutschland). Der Intermodalverkehr ist stark ansteigend. Der Schienen-Personenverkehr ist größtenteils staatlich mit zum Teil veralteten Fahrzeuge und wenig finanzielle Möglichkeiten. Die National Rail Passenger Corporation (Amtrak) ist der primäre Betreiber des Fernverkehrs in den Vereinigten Staaten. Als einzige Bahngesellschaft bietet sie Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen US-amerikanischen Städten an.

Insgesamt ist die USA ein sehr großer Absatzmarkt, aufgrund des großen Bedarfs an neuen Fahrzeugen, Technologien und Innovationen. Allerdings ist der Markt schwer zugänglich aufgrund des ‚Buy American Acts‘. Dennoch gibt es Hoffnung, denn dieser ist nicht bindend für private Unternehmen, die in den USA vor allem im profitablen Güterverkehrsmarkt zu finden sind.

Der Bericht entstand in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Sachsen.

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 Über PERES:

PERES steht für „Promoting European Railway Excellence outside of the EU“, denn das Konsortium bestehend aus fünf europäischen Bahntechnikclustern strebt die gemeinsame Vermarktung europäischer Bahntechnikprodukte mittelständischer Unternehmen außerhalb der EU, speziell USA und Indien, an. PERES wird seit 2018 von der EU-Kommission für 18 Monate unter dem Label ESCP4i- European Strategic Cluster Partnership gefördert. Bei einer Fortführung ist eine Unternehmerreise nach Indien geplant.

Das sind die PERES-Partner:

„Mit dem Projekt PERES können wir den erfolgreichen Weg zur internationalen Markterschließung für sächsische Bahntechnikprodukte, den wir bislang vor allem mit umfangreicher Unterstützung der Wirtschaftsförderung Sachsen gegangen sind, ausbauen. Ich bin mir sicher, dass zudem aus den gemeinsamen Aktivitäten mit anderen europäischen Firmen für unsere Mitglieder auch interessante neue Partnerschaften entstehen werden.‘ BTS-Clustermanager Dirk-Ulrich Krüger.

Quellenverzeichnis

[1] (World Business Chicago, 2019)

[2] (Alan Berube, 2015)

[3] (World Business Chicago, 2017)

[4] (World Business Chicago, 2017)

[5] (Chicago Metropolitan Agency for Planning, 2015)

[6] (World Business Chicago, 2017)

[7] (World Business Chicago, 2019)

[8] (Progress Rail, 2019)

[9] (Progress Rail, 2019)

[10] (Railway Gazette, 2019)

[11] (Adams, 2013)

Literaturverzeichnis

Adams, S. (13. April 2013). 25 College Diplomas With the Highest Pay. Von Forbes: https://www.forbes.com/sites/susanadams/2013/04/12/25-college-diplomas-with-the-highest-pay/#65bae6b73fc9 abgerufen

Alan Berube, J. L. (22. Januar 2015). Global Metro Monitor. Von Brookings: brookings.edu abgerufen

Chicago Metropolitan Agency for Planning. (2015). Intermodalism – Metropolitan Chicago’s Built-In Economic Advantage.

Commit GmbH. (2016). Zielmarktanalyse – Verkehrs- und Bahntechnik USA. (B. f. (BMWi), Hrsg.) Berlin.

Progress Rail. (2019). Company. Abgerufen am 13. April 2019 von Progress Rail: https://www.progressrail.com/en/Company.html

Progress Rail. (2019). Uptime Suite. Von Progress Rail: https://www.progressrail.com/en/innovation/uptimesuite.html abgerufen

Railway Gazette. (25. Februar 2019). Wabtec and GE Transportation complete merger. Von Railway Gazette: https://www.railwaygazette.com/news/business/single-view/view/wabtec-and-ge-transportation-complete-merger.html abgerufen

World Business Chicago. (2017). Transportation and Logistics. Chicago: World Business Chicago.

World Business Chicago. (2019). Chicago – North America`s Business Center. Chicago: World Business Chicago.

World Business Chicago. (25. März 2019). CTA Rail Cars Built in Chicago for the First Time in 50 Years. Von World Business Chicago: http://www.worldbusinesschicago.com/crrc-sifang-america-announce-hiring-of-workers-at-new-railcar-manufacturing-facility-on-the-south-side/ abgerufen