Der Kohleausstieg stellt eine für Sachsen noch nie dagewesene wirtschaftliche und soziopolitische Herausforderung dar, bei der die Wörter Bergbau und Infrastruktur am meisten genannt werden. In diesem Zusammenhang griff die Tagungsreihe „Bergbau trifft Bahntechnik“ – ein Gemeinschaftsformat der Industrievereine GKZ Freiberg und BTS Rail Saxony – auf ihrer jüngsten Konferenz am 03. März 2020 im Dresdener Elbflorenz-Hotel relevante Abhängigkeiten der schienengebundenen Infrastruktur mit der Baurohstoffsicherung und Wasserwirtschaft auf.

Zwischen Bedürfnissen, Wünschen und Fördermitteln einerseits und dem Verständnis geotechnischer, stofflicher und wasserwirtschaftlicher Herausforderungen andererseits referierten berufene Kenner zu den Unwägbarkeiten des komplexen Herausforderungen entgegen sehenden regionalen Strukturwandels.

Thomas Siegl, Referent im neuen Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung sieht vor allem das Problem hoher Entwicklungsgradienten in den betroffenen Gebieten zum Umland, die es anzupassen gilt. Dies auch in Hinsicht auf die Anbindung zu Metropolen. Gleichwohl ermutigen Vergleiche mit der Olympiade in München 1972 und Barcelonas Entwicklung 1992 mit der World Expo diese einmalige „Schubkraft“ zu nutzen .

Andreas Lippert aus der Wirtschaftsförderung Sachsen nannte eines der vielen kleinen Probleme, an denen die großen Entwicklungen scheitern beim Namen: Die Verfügbarkeit hochwertiger Gewerbeflächen < 10 ha. Gleichwohl werden vor allem die Chancen des Strukturwandels gesehen, die man nutzen will u.a. mit der Ansiedlung von F&E-Einrichtungen sowie Testzentren oder die Internationalisierung der Unternehmen. Ein Aspekt, den das GKZ mit seinem jüngst akquirierten HORIZON 2020 Projekt „Mine-the-Gap“ im europäischen Kontext gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung angehen will.

Dass die Probleme nicht selten im Detail liegen, bewies der Vortrag von Stefan Gräfe von der DB Netz AG am Beispiel des Systemwechsels zum polnischen Netz am Bahnhof Görlitz. Von notwendigen radikalen Umdenken in der Güterlogistik wusste Christian Menzel von der BTU Cottbus zu berichten und stellte neuartige Horizontalumschlagtechnik für die neuen Smart Cargo Stations der Zukunft vor.

Es ist eines der Anliegen des GKZ, bei allen Wünschen und Plänen auf die Grundbedingung zu deren Umsetzung in puncto Verfügbarkeit von Rohstoffen hinzuweisen. Dass eine Rohstoffsicherung der Baurohstoffe im Zeichen restriktiver Regionalpläne dem Grenzen aufzeigt, ist ein Problem, das weit über die von der Kohlekommission betrachteten Gebiete hinausgeht.

Auch steht laut Vortragendem Bert Vulpius vom Unternehmerverband Mineralische Baustoffe die Zyklizität der Regionalplanung nicht im Einklang mit dem Planungsvorlauf der Industrie und so beklagt er eine intransparente Abwägungsmethodik. Dieses Thema wird auf dem kommenden Sächsischen Rohstofftag am 14. Mai 2020 in Dresden im Abgleich mit der neuen Rohstoffstrategie der Bundesregierung aufgegriffen werden.

Dass Altbergbauflächen ihre Eigendynamik haben, untermauerte Ingolf Arnold von der Lausitz Energie Bergbau AG exemplarisch an Fallstudien zur Stabilität von Tagebaukippen und Bodenbewegungen im Kontext sich des durch den Klimawandel verändernden Wasserhaushalts. Daraus ergeben sich nicht nur Probleme der Tragfähigkeit, sondern auch der Hydrochemie und der damit verbundenen Mobilisierung von Schadstoffen.

Dr. Wolfgang Reimer, Geschäftsführer GKZ, und Clustermanager BTS Rail Saxony, Dirk-Ulrich Krüger, zogen am Ende eine positive Bilanz nicht nur von der Tagung, sondern auch hinsichtlich der aktiven Zusammenarbeit beider Netzwerke und kündigten bereits eine weitere Folge von „Bergbau trifft Bahntechnik“ für 2021 an.

(Quelle: Dr. Wolfgang Reimer, GKZ)