Vom 06.-07. Juni 2018 luden die Wirtschaftsförderung Sachsen und BTS Rail Saxony Bahntechnikunternehmen aus Sachsen nach Polen ein, um im Rahmen der  Delegationsreise des Wirtschafts- und Verkehrsministers Martin Dulig wichtige Akteure der Niederschlesischen Bahntechnikbranche zu besuchen.

Nach dem Besuch der polnischen Industriemesse in Poznan am 06. Juni 2018 machten Martin Dulig, die stellvertretende Direktorin des Niederschlesischen Ministeriums (Marschallamt) für Infrastruktur und Bauwesen Agnieszka Zakęś und BTS-Mitglieder Halt bei der in Żmigród gelegenen Teststrecke des polnischen Bahninstitutes Instytut Kolejnictwa. Der Leiter des Teststrecken-Zentrums, Waldemar Szulc, berichtete stolz von der Teststrecke, die seit 22 Jahren existiert und heute 7,7 km beträgt. Auf ihr werden die Belastbarkeit und die Sicherheit von Zügen, u.a. auch durch Crashtests, untersucht. Glücklicherweise durften die Gäste eine Testfahrt mit einem der Züge, die von dem Niederschlesischen Eisenbahnbetreiber Koleje Dolnośląskie S.A. gerade vor Ort getestet werden, machen. Die Standortvorteile der Teststrecke liegen auf der Hand: es gibt keinen Verkehr, das Gelände der Teststrecke ist flach und das Teststreckenzentrum ist Teil des niederschlesischen Bahnclusters, in welchem polnische Eisenbahnbetriebe und durch die nahegelegene Universität in Breslau eine Vielzahl an Verkehrsingenieuren zu finden sind.

Am Abend traf sich Minister Dulig in Wrocław mit dem für Verkehr zuständigen Vorstand der Woiwodschaft Niederschlesien, Jerzy Michalak, um über den grenzübergreifenden Güterverkehr zu sprechen. Sowohl Niederschlesien als auch Sachsen haben zum Ziel, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen – da der steigende Last-Verkehr deutliche Auswirkungen zeigt. Allerdings hat in Polen das Verkehrsministerium in Warschau das letzte Wort.

„Um die Autobahn A4 und damit das Transitland Sachsen dauerhaft zu entlasten, prüfen wir die Wiederbelebung der „Rollenden Landstraße“. Dazu sprechen wir bereits mit der Bahn. Gemeinsam mit unseren polnischen Partnern möchten wir nun Parameter wie die Ausstattung von Verladestationen, die Beschaffenheit der Güterwagen und den Reisekomfort für die Lkw-Fahrer ausloten, damit eine Rollende Landstraße funktioniert. Außerdem muss die Strecke ausreichend lang sein. Nur so wird sich der Umstieg auf die Schiene für die Speditionen betriebswirtschaftlich und zeitlich lohnen.“, erklärte Martin Dulig.

Am 07. Juni 2018 konnten sich die Teilnehmer in Kąty Wrocławskie auf dem 4,5 Hektar großen Intermodal-Terminal des Unternehmens Metrans Polonia live ein Bild von den logistischen Abläufen des Umschlag-Terminals machen. Metrans könnte ein wichtiger Partner werden, um mehr Güter auf die Schienen zu bringen.

Im Anschluss fand der Sächsisch-Polnische Kooperationsworkshop mit dem Niederschlesischen Eisenbahnbetreiber Koleje Dolnośląskie S.A. statt, wobei auch unsere BTS-Mitglieder die Gelegenheit hatten, sich vorzustellen. Auf besonders großes Interesse beim polnischen Fachpublikum traf das Innovationsprojekt EcoTrain, vorgestellt vom Senior Consultant der DB RegioNetz Verkehrs GmbH sowie stellvertretenden BTS-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Leibiger. Der Geschäftsführer der Koleje Dolnośląskie, Piotr Rachwalski, sprach im Workshop über den derzeitigen Fuhrpark, die Servicehalle in Legnica und die logistischen und organisatorischen Herausforderungen. Zum einen sind die Fahrgastzahlen in Niederschlesien in den letzten 10 Jahren um über 75 Prozent gestiegen. Zum anderen muss der Betreiber 4 Grenzübergänge bewältigen. Und das ist nicht immer leicht. Besonders die Strecke über Görlitz ist das Sorgenkind, denn die Strecke von Zgorzelec nach Görlitz ist nicht elektrifiziert und soll es erst 2030 werden. So müssten, wenn Koleje Dolnośląskie nur noch seine neuen Fahrzeuge im Einsatz hat, die Passagiere in Zgorzelec in den Bus umsteigen um nach Görlitz zu gelangen. Hinzu kommt die Schwierigkeit bei Grenzübergängen, dass zwei Schaffner, eine Person für die polnische und eine für die deutsche Seite benötigt werden, und dass die Bewilligungsprozeduren des EBA Eisenbahn-Bundesamtes zu langwierig sind, um für den Betreiber wirtschaftlich zu sein

Fazit aus diesem Workshop ist, das der Wille zur Kooperation gerade zwischen Sachsen und Niederschlesien da ist, die Entscheidungen jedoch auf Bundesebene gemacht werden.